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Geschichten über

DIE ALTE SCHMIEDE

Zwei Historiker, die als Anhänger der gutbürgerlichen Küche mein Haus
besuchten, gerieten fast aus dem Häuschen:

Im rückwärtigen Teil des Gebäudes stach ihnen das gemauerte
Gewölbe sofort ins Auge. Aufgrund der Bauart und der verwendeten,
schmalen Ziegeln datierten sie diesen Teil des Hauses als
Römergewölbe in die Zeit um 900 nach Christi Geburt.

Laut Zeitungsberichten soll die alte Schmiede schon 1678 in der
Gablitzer Gemeindechronik erwähnt worden sein. Bis etwa 1970 wurden
hier tatsächlich noch Pferd und Wagen beschlagen. Besonderes
Augenmerk verdient die alte Esse, welche (vielen Hindernissen zum
Trotz) im Originalzustand erhalten ist.

Es war eine typische Zwei-Mann-Schmiede, im Laufe der Jahrhunderte
haben die Schmiede den Stein, auf dem sie arbeiteten, Zentimeter um
Zentimeter eingekerbt, sodass gute 15 Zentimeter im Laufe der Zeit
verschwunden sind. Während der gewaltigen Umbauarbeiten wurde sehr
viel altes Werkzeug gefunden, welches nun seinen Platz als Zierde rund
um die alte Esse gefunden hat.

Auch eine alte Kanonenkugel fand sich im Mauerwerk, vermutlich aus
der Zeit der Franzosenkriege. Stürmische Zeiten hat die alte Schmiede
überstanden, doch dann kam der rasche Niedergang des Baujuwels.
Fehlende Isolierungen, alte Wienerwald-Mischbauweise (was nichts
anderes bedeutet, als dass man früher Steine einfach in den Boden
setzte und so Mauern errichtete) Feuchtigkeit bis in den ersten Stock,
katastrophale Sanitär- und sonstige Installationen - jeder "normale"
Mensch hätte das halbverfallene Gebäude abgerissen. Doch mir war es
aufgrund der einzigartigen Atmosphäre, dem spürbaren Hauch der
Jahrhunderte, schon zu sehr ans Herz gewachsen.

Mit Beginn der Restaurierungen interessierten sich plötzlich unzählige
Menschen für das Gebäude - die selben Menschen, die vorher
jahrzehntelang dem Verfall zugesehen hatten, bestanden plötzlich auf
Mitspracherecht bei Fenster-, Türen- und Fassadenfarbe nach ihren
Wünschen und, und, und .....

Doch sehen Sie bitte selbst, wie weit der Verfall bereits fortgeschritten
war, ohne dass es irgend jemanden gekümmert hätte.
Für dieses Foto ein
herzliches DANKESCHÖN
an Frau Christine T. !